Kauf und Import

Sie haben Interesse an einem „ausgewanderten“ Europäer und fragen sich, wie man an so einen Exoten mit dicken Stoßstangen kommt?

 

Nun, vielleicht haben Sie Glück und finden Ihr Wunschauto in Ihrem Heimatland. Je nach Fahrzeugtyp ist das gar nicht so unwahrscheinlich, eine USA-Exportversion zu finden. Es gibt Modelle, deren größter Produktionsanteil in die USA exportiert wurde, wie z.B. der Mercedes SL (R107) oder der Porsche 911. Der niedrige Dollarkurs hat dafür gesorgt, dass viele Händler oder auch Privatpersonen hier ein Geschäft witterten und in den vergangenen Jahren viele der oben erwähnten Typen in den USA gekauft haben und hier nun anbieten, mit der Folge, dass der Markt mit diesen Fahrzeugen übersättigt ist. Mitunter ist es möglich, dass Sie durch das Überangebot zu einem deutlich günstigeren Kauf kommen, als wenn Sie sich selber um Transport und Verzollung kümmern müssen. Zudem können Sie sich das Auto mit geringerem Aufwand vor dem Kauf anschauen.

 

Wenn Sie auf der Suche nach einem wirklich seltenen Exoten sind, dann scheuen Sie nicht davor, in den USA Ausschau nach Ihrem Lieblingsautomobil zu halten. Gute Quellen sind natürlich „Ebay“, das Oldtimer Fachmagazin „Hemmings Motor News“ oder die „Craiglist“, eine Website mit Annoncen.

 

Generell gilt: Überstürzen Sie nichts! Lassen Sie sich nicht durch Bilder und Versprechungen im Anzeigentext blenden. Bei nach Ihrem ermessen geringeren Geldbeträgen kann man natürlich nach dem Motto „no risk, no fun“ handeln und auch einmal einen Blindkauf wagen. Bedenken Sie aber bitte auch, dass es nicht bei dem Kaufpreis bleibt und sich das Auto durch weitere Kosten erheblich verteuert. Transportkosten, Handlingsgebühren, Einfuhrzoll und Mehrwertsteuer können aus dem vermeintlichen Schnäppchen schnell eine finanzielle Belastung machen!

 

 

Transportkosten, Versicherung, Einfuhrabgaben

 

Unkalkulierbar ist dies aber nicht. Holen Sie sich bei einem Transportunternehmen („Shipper“) ein Angebot ein. Ein PKW Transport im (Sammel-) Container per Schiff ex Long Beach nach Bremerhaven sollte derzeit nicht mehr als € 1.500,- kosten. Dazu kommt noch die Transportversicherung, die wertabhängig berechnet wird. In der Regel können Sie Autos, die älter als drei Jahre sind, nicht gegen Beschädigungen versichern, nur gegen Totalverlust („total loss“). Zu dieser Transportversicherung gehört auch eine Strandungsversicherung. Diese bewahrt Sie vor der anteilsmäßigen Haftung bei der Bergung des verunglückten Schiffes. So eine „full cover“ Versicherung kostet etwa 1,5 % des berechneten Zeitwertes des Fahrzeuges (hierfür vereinfachte Rechnung: Kaufpreis + Transportkosten + 30 % Einfuhrabgaben).

 

Zur Berechnung der weiteren Kosten müssen Sie den Kaufpreis und die Transportkosten als Eurobetrag addieren. Der Einfuhrzoll beträgt 10 % dieser Summe, die Sie nochmal addieren. Darauf werden dann nochmal 19 % Mehrwertsteuer erhoben:

 

 

Beispiel (Beträge gerundet):

 

Kaufpreis:                                          € 10.000,-

Transportkosten:                               €   1.500,-

Versicherung (full cover)                   €      225,-

___________________________________

Summe:                                              € 11.725,-

 

+ Einfuhrzoll (10 %)                            €   1.173,-

___________________________________

Summe:                                               € 12.898,-

 

+ Mehrwertsteuer (19 %)                   €   2.451,-

___________________________________

Endbetrag:                                          € 15.349,-

 

 

Man sieht an dem Beispiel, dass man einen erheblichen Betrag zum Kaufpreis hinzu kalkulieren muss. Bewahren Sie daher beim Bieten einen kühlen Kopf und setzen Sie sich vorher ein Limit, das Sie wie oben durchkalkuliert haben. Ab einem bestimmten Betrag kann es eine schmerzliche Erfahrung werden, wenn der versprochene Zustand des Fahrzeuges nicht den eigenen Vorstellungen entspricht.

 

Tipp: Wenn das Auto mindestens 30 Jahre alt ist, in einem guten und originalen Zustand ist, dann lohnt eventuell das Einschiffen über Rotterdam. Die Niederländer erheben in diesem Fall nämlich keine 10 % Einfuhrzoll. Da die Mehrwertsteuer auch auf den Einfuhrzoll erhoben wird, lässt sich hier gegebenenfalls ein erheblicher Betrag einsparen.

 

 

Keinen Blindkauf!

 

Optimal ist es natürlich, wenn Sie den Autokauf mit einem Urlaub oder einer Geschäftsreise verbinden können. Nun ist dies aber meistens nicht der Fall und Sie sind tausende von Kilometern von Ihrem Wunschauto entfernt. Es würde sich daher anbieten, mit einem Markenclub Kontakt aufzunehemen. Vielleicht wohnt eines der Mitglieder in der Nähe des Autos und kann es sich, natürlich gegen eine angemessene Aufwandsentschädigung, anschauen. Gleiches gilt für eine Werkstatt, die Sie damit beauftragen könnten. Und noch einen Hinweis: kaufen Sie kein Auto ohne "Title", dies ist das Zulassungsdokument, analog zu unserem Fahrzeugbrief!

 

                                Ein "Certificate of Title" des Bundesstaates Kalifornien -

                                 kaufen Sie kein Auto ohne dieses wichtige Dokument!

 

Wenn dies alles nicht möglich ist, Sie Mut zum Risiko haben und nicht Ihre letzten Ersparnisse in das Auto investieren, welches Sie unbedingt haben möchten, dann kaufen Sie es gegebenenfalls blind. Aber lassen Sie sich bitte wenigstens noch viele Bilder schicken. Geben Sie vor, was Sie auf den Bildern sehen möchten. Gerne werden nämlich Bilder aus günstigen Blickwinkeln gemacht, damit man die durchgewetzte Sitzwange, den Riss in der Schalttafel und den abgeplatzten Klarlack an der Karosserie nicht sieht. Schicken Sie den Verkäufer ruhig nochmal los, wenn Sie nicht zufrieden mit der Qualität der Aufnahmen sind – schließlich will er sein Auto verkaufen. Wenn Sie zufrieden mit den Bildern sind, überlegen Sie sich, ob Sie damit leben können, wenn das Auto noch ein wenig schlechter ist, als auf den Bildern ersichtlich – meist ist dies der Fall. Die Amerikaner gehen mitunter legerer mit Ihrem Eigentum um, Werkstätten erfüllen nicht deutschen Qualitätsstandard und auch die Beschreibung eines Zustandes entsprichts nicht immer den Ansprüchen eines Interessenten aus Deutschland. Was der Amerikaner mit "needs some work" beschreibt, kann für einen Deutschen schnell zur Vollrestauration werden. Wenn Sie sich darüber im Klaren sind, dann wagen Sie es gegebenenfalls … aber bitte beklagen Sie sich nicht bei mir, ich hätte Sie nicht gewarnt!

 


"needs some work"

 

Unter www.carfax.com können Sie auch mit Eingabe der Fahrgestellnummer und Zahlung einer Gebühr einen sogenannten "lemon report" einsehen. Dort sind Raparaturen und Meilenstände eingetragen, die eventuell helfen können, das Auto und dessen Zustand besser einzuordnen und auch den aktuellen Meilenstand glaubhaft machen können oder eben nicht. Eine Garantie, ob wirklich alle Eingriffe am Auto dokumentiert wurden, gibt es allerdings nicht.

 

Schockierend, wenn das blind ersteigerte Auto dann mit so einer gerissenen Schalttafel aufwartet!

 

 

Und wenn man in den USA schon einmal ein Auto hat …

 

 … dann könnten Sie sich überlegen, das Auto in Amerika abzuholen. Verbinden Sie einen Urlaub mit dem Ereignis. Fahren Sie mit Ihrem neu erworbenen Traum den Pacific Coast Highway ab oder quer durch das Land. Wie einst die Sängerin "Sade" in Ihrem Lied "Smooth Operator" sang: "Coast to Coast, L.A. to Chicago, up to the North and South to Key Largo". Wenn das Auto noch registriert ist, ist das nämlich kein Problem. Sie müssen lediglich eine Haftpflichtversicherung abschließen. Das geht über einen Versicherungsvermittler in Deutschland. Die Adresse bekommen Sie beim ADAC.

 

Eine gute Gelegenheit: das gekaufte Auto als Urlaubsauto nutzen

 

 

Zulassung, TÜV und Überführung

 

Wenn Ihr ausgewanderter Traum wieder europäischen Boden unter den Rädern hat und in Bremerhaven oder Rotterdam auf Sie wartet, stellt sich die Frage, wie Sie Ihr Schmuckstück in die heimische Garage bekommen.  Vielleicht haben Sie bei der Buchung des Transportes gleich die Lieferung bis zur Haustür bestellt - gegebenenfalls können Sie das auch noch nachträglich buchen. Darüber hinaus ist es natürlich möglich, das Auto mit einem roten Händlerkennzeichen oder mit einem Kurzzeitkennzeichen zu überführen oder mit einem Anhänger selber abzuholen. Eine viel spannendere Möglichkeit ist aber, das Auto mit den amerikanischen Kennzeichen zu fahren. Über den ADAC bekommen Sie eine sogenannte Grenzversicherung, die für einen Monat gültig ist und  ggf. auch verlängert werden kann. Die Grenzversicherung birgt eine Haftpflichtversicherung und ist dafür gedacht, das Auto zu überführen und dem TÜV vorzufahren. Es macht natürlich auch Spaß, mal ein paar Tage mit amerikanischen Kennzeichen durch deutsche Lande zu cruisen.

 

Eine wichtiger Hinweis: wenn Sie Ihr Auto vom Shipper übernommen haben, dann prüfen Sie es gleich nach etwaigen Beschädigungen, insbesobdere am Unterboden. Beim Verladen in den Container werden die Autos meist mit dem Gabelstapler eingefahren. Meist geht das gut, manchmal wird aber die Abgasanlage zerdrückt, der Unterbodenschutz beschädigt oder der Unterboden eingedrückt. Schäden zeigen Sie unbedingt schriftlich innerhalb von drei Werktagen bei der Spedition an. Aus eigener Erfahrung kann ich bei größeren Schäden empfehlen, einen Rechtsanwalt mit Ihren Forderungen zu beauftragen, wenn der Shipper nicht auf ihre Schadensmeldung reagiert.

 

Wieder daheim: '83 Audi 5000 S in der tristen Hafenkulisse  von Bremerhaven

 

Bevor Sie zum TÜV fahren, um die zur Zulassung notwendigen technische Vollabnahme machen zu lassen, beantragen Sie beim Fahrzeughersteller eine Herstellerbescheinigung und nehmen die erforderlichen Umrüstungen vor, die insbesondere die Beleuchtung betreffen, die amerikanischen Sealed Beam-Scheinwerfer werden Sie garantiert nicht durch den TÜV bringen. Dieser wird auf die  üblichen H4- oder H1- Scheinwerfer bestehen, dem asymmetrischen Licht wegen. Zum Glück gibt es diese Scheinwerfer für Europa als Normgrösse und sind so leicht auszutauschen.

 

Unausweichlich: Zur Erlangung einer deutschen Zulassung müssen die amerikanischen Sealed-Beam-Einsätze gegen Scheinwerfer mit europäischer Zulassung getauscht werden. Zum Glück gibt es diese  problemlos im freien Autoteilehandel zu erträglichen Kosten.

 

 

Die vorderen Positionslampen müssen ebenfalls deaktiviert werden oder ggf. als Blinker umfunktioniert werden. Die Sidemarker sollte der TÜV eigentlich akzeptieren. Zwar sind Sidemarker nur in orange zulässig, wenn aber die hinteren roten in die Heckleuchte integriert sind, sollte der TÜV ein Auge zudrücken. Volvo, Jaguar und BMW haben inzwischen bei Neufahrzeugen rote Sidemarker hinten, da gehen dem TÜV-Prüfer gegebenenfalls die Argumete aus, sollte er tatsächlich bei Ihrem Fahrzeug diese beanstanden. Eventuell suchen Sie eine andere Prüfstetelle.

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